Wir haben für Sie den Meister der Maskenbildner Rick Baker im Interview und verraten, welche Aliens Agent J und Agent K dieses Mal erwarten!

Welche besonderen Herausforderungen sahen Sie beim ersten Lesen des Drehbuchs auf sich zukommen?
Beim ersten "Men In Black" wurde mir gesagt, dass man Aliens im Film haben wolle, die in dieser Art noch nie zuvor zu sehen waren. Daraufhin meinte ich: "Das dürfte ziemlich schwer werden. Als ich damals die Außerirdischen für die Kantinen-Szene im ersten Teil von Star Wars entwarf, war das noch eine ganz andere Geschichte, weil die Leute bis dahin noch nie einen Raum voller Aliens gesehen hatten". Meine Idee war eher, Außerirdische zu nehmen, wie man sie aus alten Filmen kennt - aber in einer besseren Version. Darauf haben sie sich jedoch nicht eingelassen.
Beim zweiten Film habe ich es dann noch einmal versucht, was aber auch nicht klappte. Und jetzt beim dritten Teil mit seiner Zeitreise-Komponente sagte ich: "Aus meiner Sicht sollten die 2012er Aliens sich von denen aus dem Jahr 1969 klar unterscheiden, wir sollten 1969 mehr auf Retro-Aliens mit großen Gehirnen, großen Augen und Fischglas-Helmen setzen" und sie meinten "Hey, tolle Idee!".
Endlich kam ich also damit durch! Ich durfte einer ganzen Reihe von Außerirdischen, die ich sehr mag, und den Filmen, mit denen ich aufwuchs, huldigen.
Im Endeffekt sollte es so aussehen, als hätten jene Jungs, die in den 1950er und 1960er Jahren Film-Monster bauten, ein echtes Alien gesehen und das Ganze umgesetzt. Nun haben wir also beispielsweise etwas aus "Invasion of The Saucer Men" und Gort aus "Metaluna IV antwortet nicht". Nur eben mit ein paar kleinen Änderungen.
Wie viele Aliens gibt es im dritten Film?
Ich glaube, es sind insgesamt 127 Außerirdische. Allerdings weiß ich nicht, wie viele davon in der finalen Schnittfassung zu sehen sind. An einigen Tagen ließen wir Statisten kommen, um ausgiebig mit verschiedenen Kombinationen der Kostümteile herumzuexperimentieren. Da kam dann auch mal ein "Mr. Kartoffelkopf"-Alien und Ähnliches heraus! Daneben hatten wir auch vollständige Masken - es kam also ganz schön was zusammen!
Wie präsentieren Sie Ihre Konzepte Barry Sonnenfeld und den anderen Beteiligten?
Das ist bei jedem Film anders. Zuallererst erstelle ich eine ganze Reihe von Skizzen am Computer und stelle ein Team wirklich talentierter Leute zusammen. Es waren wieder viele dabei, die mit mir schon bei den ersten beiden "Men In Black"-Filmen zusammengearbeitet hatten, und sie fertigten ebenfalls Illustrationen an. Wir verwendeten viel Zeit auf das Erstellen von Maketten, das sind kleine Ton-Skulpturen.
Das schwierigste bei jedem Film ist meiner Meinung nach, die beteiligten Leute früh genug konkrete Entscheidungen treffen zu lassen, damit wir genügend Vorlauf haben. Einerseits dauert die Herstellung ziemlich lange, andererseits will sich niemand zu früh festlegen. Bei diesem Film war es nun zum Beispiel so: Wir erstellten Designs, dann kam neuer Input und wir nahmen Änderungen vor - so ging es dann bis zu dem Punkt, an dem ich anfangen musste, die Sachen wirklich herzustellen, und es war dann einfach besser, zunächst viele Aliens zur Verfügung zu haben, aus denen sie sich später jene aussuchen konnten, die sie am besten fanden.

Der große Bösewicht des Films ist Boris. Haben Sie ihn entworfen?
Ich habe mir tatsächlich eine eigene Vorstellung davon gemacht, was er wirklich ist. Im Original-Drehbuch wurde er ganz anders beschrieben, nämlich als Biker-Typ. Mit dieser Idee habe ich etwas herumexperimentiert und eigene Vorschläge gemacht. Um die anderen von meiner Herangehensweise zu überzeugen, habe ich ihnen persönlich vorgeführt, wie ich mir die Sache vorstellte. Davor war immer kritisiert worden: "Diese Brille können wir nicht verwenden, weil man dann seine Augen nicht sieht...". Also ausgerechnet der Aspekt, der an ihm so cool war! Das war das Beste, was wir machen konnten.
Wie hat Jemaine Clement sein Make-up gefallen?
Jemaine war wirklich großartig. Was er aus der Figur herausholte, gefiel mir sehr gut. Ganz am Anfang hatte ich ihn gefragt: "Weißt du eigentlich, worauf du dich hier einlässt? - und er hatte wirklich noch keine Ahnung. Mir ist es immer lieber, wenn die Leute Bescheid wissen, bevor sie den Vertrag unterschreiben und zustimmen, dass ich ihnen das Leben zur Hölle mache. Alles war ungemein zeitaufwändig. Morgens klebten wir ihm Zeug an und nachts brauchten wir dann auch wieder eine Stunde, um es zu entfernen. Ich war auch ständig dabei, an ihm herumzufummeln, Reparaturen vorzunehmen und immer alles genau in Augenschein zu nehmen - als wäre er ein Gegenstand. Aber er war einfach toll. Während des Prozesses hat er oft geschlafen, was sowohl Vor- als auch Nachteile hatte...
Was inspiriert Ihre Arbeit? Und haben sie ein Notizbuch, um Ideen aufzuschreiben?
Schreiben ist nicht so mein Ding, ich bin ein bisschen legasthenisch. Aber ich versuche, Sachen einzuordnen, beobachte Dinge, mache auch viele Fotos. Es ist schon lustig: Meine Frau hat etliche Bilder, zum Beispiel von unseren Urlaubsreisen, auf denen ich zu sehen bin, wie ich irgendwelche Oberflächen fotografiere. So stehe ich beispielsweise mit einer Makro-Linse an einem moosbedeckten Felsen und mache Bilder davon. Es gibt also tatsächlich Bilder, auf denen ich selbst wiederum beim Fotografieren eigentlich lächerlicher Dinge zu sehen bin! Ich mache Fotos von Falten, von Menschen, von verschiedenen Gesichtsformen. Inspiration bekomme ich also aus allen möglichen Richtungen.
Wie haben die Änderungen am Drehbuch Ihre Arbeit beeinflusst?
Es sollte da zum Beispiel eine Szene mit einer Gegenüberstellung im MIB-Hauptquartier geben, unter Beteiligung von Will Smith und einem Haufen von Aliens, von denen nur Umrisse zu sehen sein sollten. Diese Szene in einem frühen Skript sollte sich um Wills ersten Auftritt im Hauptquartier drehen. Also entwarfen wir Aliens für die Gegenüberstellung, wollten dabei verschiedene echt abgedrehte Silhouetten designen und waren mit unserer Arbeit schon ziemlich weit fortgeschritten, als man uns mitteilte, dass die Szene gestrichen wurde! Die Aliens konnten wir zum Glück noch anderweitig einsetzen, aber eigentlich hatten wir sie eben ganz gezielt für diesen spezifischen Zweck gebaut. Es ist also schon schwierig, wenn solche Sachen aus heiterem Himmel passieren.

In der ersten Drehbuch-Fassung gab es auch eine Szene auf einer Bowling-Bahn, in der ein Außerirdischer mit seinem eigenen Kopf kegelt - die wurde erst herausgenommen und in letzter Minute doch wieder eingebaut. Ursprünglich hatte ich dafür bereits Vorlagen designt, mich dann aber nicht weiter damit beschäftigt und sie vergessen. Als wir später vor Ort in New York waren, fertigte ich wiederum neue Entwürfe an. Barry sagte dann: "Ich glaube, wir sollten einfach eine Bowlingkugel nehmen, ein Gesicht draufmalen und sie über die Bahn rollen lassen...".
Ich hatte mehr an einen coolen CGI-Kopf gedacht, der auch Reaktionen zeigt, aber für Aufnahmen in der Totale war die Bowlingkugel schon OK. Als wir mittags dann in der "Men In Black"-Zentrale, die sich in diesem Zeughaus in New York befindet, drehten, gab mir ein Typ von der Requisite eine Bowlingkugel und ich malte ein Gesicht darauf. Und was passierte? Wir hatten so viele coole Aliens gebaut, aber die größte Begeisterung am Set löste nun ausgerechnet diese angemalte Kugel aus! Barry machte Fotos und alle wollten sie sehen. In dem Moment dachte ich nur: Vielleicht wäre es gut, meine Arbeitsweise grundlegend zu ändern... Wie dem auch sei, mit neuen Skript-Fassungen umzugehen, ist immer schwierig, weil du darauf einfach nie vorbereitet bist.
Welche kurzfristige Aufgabe stellte für Sie die größte Herausforderung überhaupt dar?
Eine der kniffligsten Angelegenheiten war, sehr kurzfristig ein Andy-Warhol-Make-up für Bill Hader umzusetzen. Das Ganze war eigentlich im Original-Drehbuch enthalten, wurde aber gestrichen, dann wieder aufgenommen und wir wussten nicht, wer die Rolle übernehmen würde. Es gab verschiedene Kandidaten, darunter auch Bill Hader. Ich war der Ansicht, dass er für die Rolle wunderbar geeignet wäre und dass wir ihm ein tolles Make-up verpassen könnten. Ich mag ihn als Schauspieler, er wiederum ist Fan meiner Arbeit. Und ich dachte, mit jemandem, der bereits Make-up-Tests gemacht hatte und zudem ein Fan von mir ist, würde ich praktisch alles machen können, was ich wollte... Wir hatten aber nur eine Woche Zeit, ich fertigte das Material in L.A. an und schickte es nach New York rüber. Nun brauchte ich aber vor allem erstmal einen Gesichts-Abdruck von ihm. Er war nicht sofort verfügbar, glücklicherweise kenne ich die Leute von "Saturday Night Live" aber wirklich gut und sagte zu ihnen: "Ihr habt doch bestimmt einen Gesichts-Abdruck von Bill. Kann ich mir den nicht mal kurz ausborgen, damit ich eine Vorlage für sein Gesicht habe und mit meiner Skulptur anfangen kann?". Das hat dann wirklich auf den allerletzten Drücker noch hingehauen.
Sie testen jedes Make-up ja zuerst an sich selbst, aber sind Sie auch persönlich in einer Szene zu sehen?
Oh ja! In bin in einer Szene mit Will und Emma Thompson zu sehen; ich glaube, sie wurde beinahe aus dem Film herausgeschnitten, aber Barry erklärte mir, dass sie für den Film am Ende doch zu wichtig war, sodass sie nicht rausgeschnitten werden konnte. Diese Szene war echt witzig und letztens meinte Barry zu mir "Du bist immer noch im Film...". Deswegen gehe ich davon aus, dass sie wohl doch noch deutlich gekürzt wurde. Jedenfalls sieht man mich darin mit meinem Gesicht, einem großen freiliegenden Gehirn und einem Pferdeschwanz, der hinten aus dem Hirn herausragt. Bei den Dreharbeiten habe ich auch oft die ersten Test-Aufnahmen gemacht, um zu sehen, was ich den Schauspielern eigentlich abverlange. Das und die Tatsache, dass ich mir das Make-up-Handwerk damals - auf meinem eigenen Gesicht - selbst beigebracht habe, hilft mir sehr, wenn ein Schauspieler mal zu mir sagt, ich hätte ja keine Ahnung, was sie hier durchmachen. Denn tatsächlich weiß ich es nur zu genau.
Wer sich selbst von den außerordentlich coolen Aliens im 60er Look überzeugen möchte, hat jetzt die Chance dazu, denn seit dem 24. Mai läuft MIB3 auch in Deutschland in den Kinos! Im Video gibt es schon einmal einen kleinen Vorgeschmack!



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